Wirkliche Anerkennung

Die nach dem Anlaufen der ersten Corona-Woge offenbar überraschend als „systemrelevant“ erkannten, als „Heldinnen und Helden des Alltags“ apostrophierten und abendlich beklatschten Pflegekräfte erhalten eine offizielle Anerkennung: einen einmaligen Bonus von maximal 1.500 €, allerdings beschränkt auf die in der Altenpflege Tätigen – die Krankenhausbeschäftigten bleiben mit dem Argument, sie verdienten schon jetzt besser, außen vor. Dabei gingen gerade sie ein hohes Risiko ein: viele Tausende Beschäftigte in Krankenhäusern und Arztpraxen infizierten sich mit SARS-CoV-2 – nicht bei Familienfeiern oder Ballermann-Partys, sondern in ihrer systemrelevanten Arbeit.

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Gefühlte Hilflosigkeit

Noch bevor die Auswirkungen des Klimawandels nicht nur lokal, sondern für alle massiv spürbar werden, hat eine Pandemie mit enormen Ausmaßen von Infizierten und Todesfällen die Welt überrascht. Die gegen sie initiierten Maßnahmen setzen vielerorts das für normal Gehaltene außer Kraft. Plötzlich wirkt es, als herrschten in einer liberalen, die individuelle Autonomie als höchsten Wert propagierenden Gesellschaft nur mehr die staatlichen Organe darüber, wie sich unser Alltag gestaltet. Weiterlesen Gefühlte Hilflosigkeit

Kein Kinderspiel

In Australien brennt seit Oktober 2019 der Busch. Das passiert dort regelmäßig, aber das Ausmaß übertrifft diesmal alles bisher Dagewesene. Alleine im Bundesstaat New South Wales haben die Feuer bereits Wald in der Größe der Fläche Belgiens vernichtet, Tier- und Pflanzenwelt ebenso wie Häuser und Existenzen der Menschen zerstört. Immenses Leid und Schäden in Milliardenhöhe sind entstanden und ein Ende ist nicht in Sicht. Zeigt uns das im Brennglas, worauf wir auch in unseren Breiten zusteuern, wie eine kürzlich veröffentlichte Weltkarte bei einer Steigerung der Durchschnittstemperatur um 4 Grad prognostiziert?

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Endzeitstimmung

Seit über 30 Jahren ist der von Ronald Reagan und Michail Gorbatschow ausgehandelte INF-Vertrag in Kraft, der Amerikanern und Russen Produktion und Besitz atomar bestückbarer Mittelstreckenraketen verbot und damit uns Europäern eine rudimentäre Sicherheit vor einem Nuklearkrieg auf unserem Boden gewährte. Nach einer gliederreichen Kette wechselseitig erhobener Vorwürfe von Vertragsverletzungen kündigte Donald Trump das Abkommen Anfang Februar, was von russischer Seite bereitwillig und fast erleichtert wirkend aufgenommen wurde. Die Zeit läuft – in knapp vier Monaten wird die Kündigung wirksam. Wenige Optimisten hoffen noch auf eine Verlängerung oder sogar Erweiterung mit der Chance, weitere Atommächte wie Indien und China einzubeziehen; konkrete Schritte dazu sind nicht erkennbar.

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Was gut ist, und was nicht

Am Frankfurter Hauptbahnhof kann mir keiner sagen, wie es weiter geht. Die Gewerkschaft EVG streikt und die Notfallmaßnahmen der Deutschen Bahn vermitteln erneut den Eindruck, als versuchten durchaus bemühte Dilettanten zum ersten Mal eines solchen Problems Herr zu werden. Die kaum zu verhindernden Windows-Betriebssystem-Aktualisierungen treiben mir regelmäßig die Schweißtropfen auf die Stirn, denn beim letzten Funktionsupdate lieferte Microsoft zunächst eine Version aus, die in einigen Fällen persönliche Fotos und Dokumente der Nutzer nahezu unwiederbringlich löschte.

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Neugierig?

Seit langer Zeit kann ich wieder einmal meine Freundin seit Studientagen besuchen. Sie lebt in häuslicher Gemeinschaft mit zwei Stubentigern beiderlei Geschlechts, denen ich fremd und unbekannt bin. Als wir die Wohnungstür öffnen, nähert sich mir die eine in katzentypisch mäandernder Gangart, die ihr Interesse am Neuankömmling schwerlich zu verbergen vermag. Nach der ersten schnuppernden Kontaktaufnahme und erst recht nach der offenbar zufriedenstellend ausgefallenen Überprüfung meiner Streichelkompetenz sucht sie immer wieder meine Nähe. Der Kater hält sich dagegen scheu zurück – er ist mit sich selbst und seinen akuten gesundheitlichen Problemen beschäftigt. Weiterlesen Neugierig?

Heimatlos und unbehaust

Manchmal genügt schon ein grauer Novembertag, um sich nicht in der Welt zu Hause zu fühlen. Nässe, Dunkelheit, Kälte erwecken den Eindruck allgemeiner Tristesse und schlagen uns atmosphärisch aufs Gemüt. Da wächst der Wunsch, alle Schotten dicht zu machen und sich aus der Welt zurückzuziehen. Wenn es der Terminkalender erlaubt, kann man in den eigenen vier Wänden bleiben, und es sich heimelig machen. Eine Kanne Wohlfühltee, die kuschelige Decke und die Lieblingsserie im Fernsehen versprechen mollige innere und äußere Wärme und angenehme Ablenkung.

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