Der soziale Körper muss gesunden

Europa ist stolz auf seine philosophische Tradition. Die Folgen jahrhundertelanger Gedankenarbeit und politischer Kämpfe: Wohl begründete Freiheitsrechte, Rechte des Einzelnen, gegründet auf ein Menschenbild, das mit dem Ausdruck „Sakralität der Person“ bestens auf den Begriff gebracht ist – anschlussfähig also mit der religiösen Überlieferung. Von Thomas Hobbes über John Locke und David Hume bis zu John Stuart Mill läuft eine Linie, die den Staat zum Garanten individueller Selbstentfaltung erkoren hat. Neben der pragmatischen angelsächsischen Tradition stützten Freiheitsdenker wie Spinoza und Kant die Forderungen nach Selbstbestimmung systematisch ab. Die Feier des Individuums prägt unsere westliche Lebensform. Wenn der Sinn der Politik die Freiheit ist, so deshalb, weil Freiheit dem Ich den Lebensraum gibt. Das Ich ist Angelpunkt unserer Wertewelt.

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„Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“?

Das Zitat des heute kaum mehr bekannten Haudegens Ferdinand von Schill (6.1.1776 – 31.5.1809)[1] bei einer Ansprache auf dem Marktplatz von Arneburg an der Elbe am 12. Mai 1809 kommt heute wohl manchen in den Sinn. Ferdinand von Schill soll oft passende Worte gefunden haben, um die Menschen auf der Straße und die einfachen Leute anzusprechen. Man muss ihn deshalb nicht für einen Populisten halten. Doch wie dem auch sei, in Anspielung auf Psalm 73,19 rief der damalige Kommandeur eines Freicorps den Menschen in Arneburg zur Ermutigung zu: „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“ Weiterlesen „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“?

Der Klügere gibt nach?

Unlängst wieder Streitigkeiten. Worüber? Weshalb? Das spielt eigentlich keine Rolle, denn Anlässe finden manche Zeitgenossen immer. Auch die eigene Streitlust findet sie.
Am Abend dann das Gespräch darüber mit einer Freundin. Und ich wusste es ja, was kommen musste wie das Amen in der Kirche, früher oder später: „Komm, lass sie einfach! Der Klügere gibt nach.“

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Stille Nacht, heilige Nacht…

Orte der Stille suchen wir – anders als das „stille Örtchen“ – nicht um etwas loszuwerden, sondern um einzukehren bei uns selbst. Solche Einkehr ist ein wahrhaft intimer Vorgang. Sie bedarf nicht des geschlossenen Raums, sondern einer Öffnung: „sprachaufwärts“ ins Dialogische. Paradox des Schweigens: in ihm ersteht das Wort. Weiterlesen Stille Nacht, heilige Nacht…