Kolumnen

Europa als Widerlegung des Kulturpessimismus. Eine Erwiderung auf die „Gallige Polemik“

Ja, es gibt sie, sie werden immer wieder nachgeboren, sie sterben nicht aus: die Pessimisten. Sie sind die Pannenbuchhalter des Weltbetriebes. Penibel und humorlos listen sie die Skandale auf, halten die Erinnerungen an Seilschaften wach, sie summieren Fakt um Fakt. Ziehen dann große Zusammenhänge und schwärzen schließlich alles ein. Lustvoll geben sie sich der Hoffnungslosigkeit hin, mal heroischer und mal serviler, je nach Temperament. Weiterlesen Europa als Widerlegung des Kulturpessimismus. Eine Erwiderung auf die „Gallige Polemik“

Zum Teufel mit dem Glück! Eine gallige Polemik

Neulich streifte ich mal wieder durch eine Bahnhofsbuchhandlung. Wie immer, wenn mein Zug Verspätung hat, und das geschieht zum Glück häufig. Was müssen die Menschen doch unglücklich sein, dachte ich angesichts der dort gestapelten Glücksratgeber, unter denen sich die Tische bogen. Die Regeln des Glücks liegen dort auf, mit dem Glück, das bleibt, gelingen Beziehungen besser, das Yoga-Glück sucht seine Inspirierten. Welch‘ reißender Absatz! Man kauft ja, wessen man bedarf. Kein Glücklicher wird da blättern, kein Erfolgreicher, der nach einer Anleitung zum positiven Denken greift. Die Büchertische verkünden: Wir leben in einem Jammertal psychischen Elends. Weiterlesen Zum Teufel mit dem Glück! Eine gallige Polemik

Und täglich grüßt das Trumpeltier

Meistens steht mein Handy auf „tonlos“. Zum Glück! Vergesse ich es, so kann ich neuerdings absolut sicher sein, dass die erste Nachricht jedes noch so jungen Morgens mir den Anblick Donald Trumps in mein schonend abgedunkeltes Schlafgemach hinüberträgt. Bevor ich noch am ersten Kaffee genippt und das Kissen geschüttelt habe, erscheint auf dem Handydisplay  ein skurriles Frühstücksgedeck aus Banane, Fleischwurst- und Salamischeiben, kunstvoll arrangiert zu einem Porträt des 45. Weiterlesen Und täglich grüßt das Trumpeltier

Ein umstrittener Ort der Freude.

Seit fast vier Wochen hat Hamburg ein neues Gesicht. Ein freudiges, stolzes, weltoffenes Juwel strahlt an den Ufern der Elbe – wie ein kraftvolles Symbol für dieses neue und ungewisse Jahr, als wollte es nach all der Zeit der Ungewissheit, des Leidens, der Kritik und den offensichtlichen Fehlplanungen zum Trotze mit einem triumphierenden Lächeln erklären: „Ja, wir haben es geschafft“ – „Yes, we can.“ Weiterlesen Ein umstrittener Ort der Freude.

Überraschend einfach – und doch unheimlich selten: Mensch mit Menschen sein. Eine Kolumne von der Art einer rationalen Meditation

Unerwartete Interpretationen faszinieren mich immer aufs Neue; das bringt – wen nimmt es Wunder – das Unerwartete so mit sich. Gerade lese ich Meister Eckhart. Er ist mir Vorbild ohnehin; und hier nun erster Beispielgeber. Weiterlesen Überraschend einfach – und doch unheimlich selten: Mensch mit Menschen sein. Eine Kolumne von der Art einer rationalen Meditation

Wer ist das Ich in meinen Erinnerungen?

Wer kennt sie nicht, die kurzen, wie aus dem Nichts aufsteigenden Bilder einer Erinnerung? Sie kommen stets als Einzelne, ihre Ränder unscharf, deutlich nur die Bildmitte. Kein Erzählfluss verleiht ihnen Bedeutung, indem er sie mit anderen Erinnerungsstücken verbindet, auch bebildern sie keinen Text, denn der ist zu lange schon verblasst in tiefer Vergangenheit, sie tauchen einfach auf und verschwinden ohne Spur. Weiterlesen Wer ist das Ich in meinen Erinnerungen?

Tödliches Plastik oder: Die toten Schildkröten am Strand von Mahabalipuram

Sie liegen an den Stränden Indiens, die großen Schildkröten, fast einen Meter groß sind die Viecher. Manche schaffen es, ihre Eier zu vergraben, manche aber liegen tot auf dem Sand. Die Krähen haben ihnen die Augen und das Gehirn ausgepickt, mitunter ist der Kopf völlig skelettiert. Erschüttert umkreise ich eine, da erkenne ich zwischen den Beinen ein Plastikseil eines zerrissenen Fischernetzes. Weiterlesen Tödliches Plastik oder: Die toten Schildkröten am Strand von Mahabalipuram

Die magischen Momente der Politik. Ein Plädoyer für politische Mythen

Abschiede sind hochemotionale Momente. Sie ergreifen, weil sie eine gemeinsam erlebte Zeit auf einen einzigen Punkt verdichten. Wir oder ich – und sie oder er, vorbei. In Abschieden schichten sich vergangene Geschichten auf, Gewonnenes zerrinnt oder bleibt aufbewahrt für die Erinnerung, und das Verpasste hinterlässt eine schmerzhafte Spur. Weiterlesen Die magischen Momente der Politik. Ein Plädoyer für politische Mythen

„Das Jahr geht still zu Ende“

„Nun sei auch still mein Herz!“ – von klein auf habe ich dieses alte Kirchenlied geliebt, in dem es weiter heißt: „In Gottes treue Hände leg ich nun Freud’ und Schmerz.“ Keines meiner vielen seitdem verbrachten Lebensjahre klang je aus, ohne dass die frommen und betörend schlichten Anfangszeilen dieses Liedes unwillkürlich in meiner Seele neu erwachten. Weiterlesen „Das Jahr geht still zu Ende“